Ecclesia-Logo  

Gemeinde der Christen ECCLESIA

 

aus: Hans-Diether Reimer, Oswald Eggenberger: "...neben den Kirchen",
Christliche Verlagsanstalt Konstanz, 6. Ausgabe 1986, ISBN 3-7673-7620-2, S. 70-72


Gemeinde der Christen, Ecclesia

Anfangs der fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts war in Deutschland und in der Schweiz die hohe Zeit der Heilungsevangelisten. Manche von ihnen, so auch Hermann Zaiss aus Solingen-Ohligs, hatten einen gewaltigen Zulauf. Die Besucher seiner Heilungsmeetings, Gesunde und Leidende, füllten nicht selten die größten Säle. Hermann Zaiss predigte und heilte in verschiedenen Städten Deutschlands und der Schweiz. In beiden Ländern fand er neben Kritikern auch begeisterte Anhänger, die sich unter dem Namen "Gemeinde der Christen, Ecclesia" zusammenschlossen. Als Hermann Zaiss am 14. November 1958 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, hinterließ er rund 300 Versammlungen.

Der überraschende Tod des Heilungsevangelisten stellte die nur lose organisierten Anhängerkreise vor große Probleme, hing doch nicht nur ihre Entstehung, sondern auch ihr Fortbestand eng mit der Verkündigung und dem Wirken Ihres Gründers zusammen. Die Zahl der Versammlungen verringerte sich in weniger als zehn Jahren um die Hälfte. Trotz diesem bedeutenden Aderlaß gelang es Clara Zaiss, der Witwe des Heilungsevangelisten, die Ecclesia durch die Krise hindurchzuführen. Die Arbeit geht aber auch nach dem Tod von Clara Zaiss im Jahre 1981 weiter. 1984, anläßlich des 40jährigen Bestehens, wurden in der BRD 108 Versammlungen gezählt.

Die Gemeinde der Christen legt auch wie bis anhin das Hauptgewicht nicht auf eine kirchliche Organisation, sondern auf das Leben in den Versammlungen. Eine feste Mitgliedschaft kennt die Ecclesia nicht. Dementsprechend wird auch kein Kirchenaustritt verlangt. Über Fragen, die die ganze Vereinigung angehen, berät der "größere Vorstand" mit ca. 30 Brüdern, sowie der "arbeitende Vorstand" mit zehn Brüdern. [Zum "Gesamtvorstand" und dem "arbeitenden Vorstand" vgl. "Wir stellen uns vor". Anm. von WH] Sie haben ihr Zentrum in Solingen. Die Verkündigung in den Versammlungen, sowie während der Evangelisationen und Freizeiten ist die Aufgabe von bewährten Brüdern. Verschiedene Versammlungen sind diakonisch tätig. Zur Ecclesia gehören zwei Erholungsheime, das Haus Waldfrieden (Bielstein) und das Christliche Erholungsheim in Schömberg. 1974 ist ein erster Missionar nach Kamerun ausgesandt worden. [Dieser Missionar ist inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt und dient als Pastor in Ulm und als Evangelist in Deutschland. Zum aktuellen Stand vgl. die Missionsseiten". Anm. WH]. Zehn Jahre später berichten die "Fröhlichen Nachrichten" von Ecclesia-Gemeinden in Ghana und an der Elfenbeinküste.

Die Gemeinde der Christen, Ecclesia, hält die Erinnerung an Hermann Zaiss weiterhin lebendig. Das Monatsblatt, "Die "Fröhlichen Nachrichten", erscheint auch heute in der Regel mit einem einleitenden Artikel aus dem Nachlaß des Gründers. [Heute finden sich dort allerdings nur selten Artikel von Zaiss. Anm. WH] Die Ecclesia hat sich jedoch in den mehr als 25 Jahren seit dem Tod von Hermann Zaiss ein Stück weit gewandelt und ihre eigene Art angenommen. Die Bezeichnung "Ecclesia" (griech.) bedeutet Kirche, Gemeinde. Die Ergänzung "Gemeinde der Christen" bringt zum Ausdruck, daß die Mitglieder ein bewußtes Christenleben führen wollen. So erweist sich die Ecclesia in gewissem Sinn als "Gemeinschaft für entschiedenes Christentum".1 Die Frömmigkeit der Versammlungen im Norden trägt eher pfingstlerische Züge. Die Gemeinden im weiteren Umkreis von Solingen-Ohligs sind mehr von einer Gemeinschaftsfrömmigkeit geprägt. Im ganzen Gebiet der Ecclesia werden aber Buße, Bekehrung und Wiedergeburt als entscheidend für das Christenleben verlangt. Auch jetzt besteht, wie Clara Zaiss einmal sagte, "noch die Möglichkeit, den Heiland als persönlichen Retter aus Sünde und Tod zu erfahren". Durch die Glaubenstaufe wollen die Mitglieder der Ecclesia "ihre kompromißlose Nachfolge Jesu Christi bezeugen".2 Die Endzeit mit der bevorstehenden Wiederkunft Jesu Christi und der Entrückung der Gemeinde gilt als nahe bevorstehend.

Daß in den von Hermann Zaiss gegründeten Gemeinden auch die Frage der Glaubensheilung ernst genommen wird, überrascht nicht. So wird betont: "...der Herr Jesus lebt, und Er vermag uns völlig zu retten oder völlig zu heilen, wenn wir durch Ihn zu Gott kommen. Er vermag es, nicht Er muß es. Das müssen wir bedenken".3 Immer wieder wird zur Fürbitte für die Kranken aufgefordert. Heilungserfolge wie zur Zeit von Hermann Zaiss sind jedoch nicht zu verzeichnen.

Welches ist das Verhältnis der Ecclesia zu den verschiedenen Landes- und Freikirchen? Wer gehört alles zum "Leib Jesu Christi"? H. Veen schreibt: "Ich glaube, daß wir ihn in allen Kirchen und Gemeinden finden können, daß überall Glieder des Leibes Jesu zu finden sind... Alle, die da an den Herrn Jesus Christus glauben und eine klare Wiedergeburt erlebt haben, gehören zum Leibe Jesu. Alle, ungeachtet aus welcher Richtung sie sind...". Angesichts solcher Aussagen ist es eigentlich erstaunlich, daß die Ecclesia am Kontakt mit Kirchen und andern Gemeinden gar nicht interessiert ist; auch die Evangelische Allianz findet keine Unterstützung. [Obwohl das Verhältnis zur Allianz über viele Jahre mancherorts sehr gespannt war, arbeiten inzwischen an vielen Orten die "Ecclesia"-Gemeinden in der Allianz mit. Anm. WH] Die eher in der Stille lebenden Versammlung der Gemeinde der Christen, Ecclesia, möchten auch in Zukunft an ihrer Sonderexistenz festhalten.

In der Schweiz verlief die Entwicklung anders als in der Bundesrepublik Deutschland. Etwa 1963 löste sich die Gemeinde der Christen, Ecclesia, auf. Danach bildeten sich zwei kleine selbständige Fortsetzungszweige. Einige der Gemeinden schlossen sich unter dem Namen Gemeinde der Christen Charles Reichenbach an, der als Mitglied des großen Vorstandes der Gemeinden der Christen, Ecclesia in der Bundesrepublik die Verbindung mit Solingen aufrechterhält. Sein Werk in der Schweiz mit etwa acht Versammlungen führt er jedoch unabhängig weiter. Charles Reichenbach weiß sich dem Gemeinschaftschristentum verpflichtet. Im Blick auf die heutigen Vorgänge im Nahen Osten sind ihm besonders auch die biblischen Aussagen über Israel wichtig.

Der andere kleine Zweig gab sich den Namen "Ecclesia". Die paar Versammlungen haben sich der pfingstlerischen Frömmigkeit aufgeschlossen. Leiter ist Toni Heer. Mit Solingen besteht keine Verbindung.


Literatur

Literatur zu Hermann Zaiss siehe Kapitel "Heilungsevangelisten"

Zeitschriften

Fröhliche Nachrichten (BRD); Freund (Schweiz)


1 H.-D. Reimer in Materialdienst 1973/22
2 Fröhliche Nachrichten 1977/9, S. 175
3 Ebenda 1975/9, S. 136
4 Ebenda 1975/4, S. 57

Valid HTML 4.0!
HTML-formatiert und kommentiert von Wolfgang Hutter